„Ich merk mir das kurz.“ Vermutlich der Satz, den wir uns am häufigsten erzählen – und der am seltensten stimmt.
Viele neurodivergente Menschen haben ein begrenztes Arbeitsgedächtnis. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun. Es geht um die Kapazität des „Arbeitsspeichers“, also des Teils im Kopf, der Informationen kurz festhält, während wir etwas tun.
Wenn der Arbeitsspeicher voll ist
Ein Computer wird langsam, wenn zu viele Programme gleichzeitig offen sind. Beim Gehirn ist es ähnlich. Ist der Arbeitsspeicher voll, passiert oft Folgendes:
- Du verlierst den roten Faden.
- Du weißt nicht mehr, womit du eigentlich angefangen hast.
- Du kommst gar nicht erst ins Tun, weil der Kopf schon mit dem Merken beschäftigt ist.
Von außen sieht das nach Vergesslichkeit oder Unkonzentriertheit aus. In Wirklichkeit ist der Kopf einfach voll.
Dein Kopf ist kein Archiv, sondern ein Prozessor
Die wichtigste Strategie ist deshalb einfach: Lagere aus, was du nicht im Kopf haben musst. Verlass dich nicht auf dein Gedächtnis, sondern auf Dinge außerhalb deines Kopfes. Dann bleibt der Arbeitsspeicher frei für das, was gerade wirklich zählt.
Was konkret hilft
- Erinnerungen, die dich finden. Handy-Wecker mit klarer Beschriftung („Rezept abholen“, nicht nur „Erinnerung“).
- Visuelle Anker. Gegenstände, die an die Aufgabe erinnern: der Brief auf der Türklinke, die Tasche vor der Haustür.
- Checklisten am richtigen Ort. Dort, wo die Aufgabe passiert – am Kühlschrank, am Badezimmerspiegel, neben der Kaffeemaschine.
- Ein einziger Sammelort. Eine Notiz-App oder ein Notizbuch für alles, was spontan auftaucht. Hauptsache: raus aus dem Kopf.
Im Coaching geht es dabei nicht darum, „bessere Listen“ zu schreiben. Wir schauen, wo dein Kopf im Alltag gerade überläuft – und bauen ein System, das ihn entlastet.
Welchen Trick nutzt du schon, um deinen Kopf freizuhalten?