Du brauchst feste Abläufe – und langweilst dich, sobald es sie gibt. Du sehnst dich nach Ruhe – und hältst sie keine halbe Stunde aus. Wenn sich das nach dir anfühlt, bist du nicht widersprüchlich. Vielleicht ist es AuDHS.

Was der Begriff bedeutet

AuDHS ist ein Kunstwort aus Autismus und ADHS. Es beschreibt Menschen, bei denen beides zusammenkommt. Im Englischen heißt es „AuDHD“.

Wichtig: AuDHS ist keine eigene Diagnose. Es ist ein Begriff, den vor allem Betroffene selbst geprägt haben, weil das Zusammenspiel etwas Eigenes ist. Offiziell werden Autismus und ADHS getrennt festgestellt – und das geht erst seit 2013. Vorher schlossen die Diagnosehandbücher aus, dass jemand beides gleichzeitig haben kann.

Wie häufig ist das?

Häufiger, als lange gedacht. Eine Auswertung vieler Studien aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass rund 40 Prozent der autistischen Menschen auch ADHS haben. Umgekehrt erfüllt etwa jedes fünfte Kind mit ADHS auch die Kriterien für Autismus. Die Zahlen schwanken je nach Studie, aber die Richtung ist klar: Die Kombination ist keine Seltenheit.

Wenn sich beides widerspricht

Das Besondere an AuDHS ist, dass sich die beiden Seiten oft gegenseitig im Weg stehen:

  • Struktur vs. Abwechslung: Der autistische Teil braucht Vorhersehbarkeit, der ADHS-Teil sucht Neues und Reize.
  • Reizüberflutung vs. Reizhunger: Laute Räume sind zu viel – Stille aber auch.
  • Hyperfokus vs. Sprunghaftigkeit: Mal versinkst du stundenlang in einem Thema, mal schaffst du es nicht, bei einer Sache zu bleiben.
  • Routinen, die nicht halten: Du baust dir einen Plan, der dir Sicherheit gibt – und hältst ihn dann nicht durch.

Viele beschreiben das als ständiges inneres Tauziehen. Und weil sich die beiden Seiten teilweise überdecken, bleibt oft eine von beiden lange unentdeckt.

Was im Alltag hilft

Es gibt kein Rezept, das für alle passt. Aber ein paar Gedanken helfen vielen:

  1. Flexible Struktur statt starrer Pläne. Ein fester Rahmen (zum Beispiel immer gleiche Start- und Endzeit) mit Freiheit darin, was du in welcher Reihenfolge machst.
  2. Abwechslung einplanen. Wenn Neues sowieso gesucht wird, kann es Teil der Routine werden: zwei, drei Aufgaben, zwischen denen du wechseln darfst.
  3. Reize bewusst steuern. Kopfhörer, ein ruhiger Platz – und trotzdem etwas für die Hände oder Musik, wenn Stille zu viel wird.
  4. Erholung ernst nehmen. Beides kostet Energie. Pausen sind kein Luxus, sondern Teil des Plans.

Du musst dich nicht entscheiden

Viele Menschen mit AuDHS haben jahrelang versucht, entweder in das eine oder in das andere Bild zu passen. Hilfreicher ist die Frage: Was brauchst du – an diesem Tag, in dieser Situation? Wenn du das besser verstehst, kannst du deinen Alltag so bauen, dass beide Seiten Platz haben.

Ich stelle keine Diagnosen. Wenn du vermutest, dass Autismus, ADHS oder beides bei dir eine Rolle spielt, ist eine fachärztliche oder psychotherapeutische Abklärung der richtige Weg. Im Coaching schauen wir gemeinsam, was dir im Alltag hilft – mit oder ohne Diagnose.

Quellen: Rong et al. (2021), Research in Autism Spectrum Disorders 83; Hollingdale et al. (2020), Psychological Medicine 50(13).